Zecken – Kleine Blutsauger auf acht Beinen

Zecken – Kleine Blutsauger auf acht Beinen

Zecken gehören wie die Milben zu den Spinnentieren und haben wie diese acht Beine. Als blutsaugende Parasiten sind sie auf geeignete Wirtstiere angewiesen. Nach einer einzigen Blutmahlzeit können Zecken bis auf das 20-fache ihres Volumens anschwellen, wobei sich der Körper nicht nur ausdehnt, sondern durch echtes Wachstum infolge von Zellvermehrung vergrößert. Bei der Wahl ihres Wirtes sind Zecken selten auf eine einzige Tierart beschränkt, so dass grundsätzlich alle Wirbeltiergruppen in Frage kommen: Reptilien, Vögel und mit den Säugetieren auch der Mensch.

GEFAHREN DURCK ZECKEN

Der Blutverlust durch Zeckenstiche ist meist unproblematisch, allerdings kann dieser bei einem Massenbefall auch erheblich sein. Doch haben Zecken häufig Krankheitserreger im „Gepäck“, die für den Menschen und seine vierbeinigen Gefährten gefährlich sind. Bei der Verbreitung von Infektionen gehören die kleinen Blutsauger weltweit zu den Größten.
Die bedeutensten Krankheiten beim Hund, die durch Zecken übertragen werden, sind unter anderem:

Detaillierte Informationen zu den genannten Krankheiten finden Sie in entsprechenden Artikeln auf dieser Website. Dort erfahren Sie auch, welche Symptome bei Ihrem Haustier nach einer Infektion durch einen Zeckenstich auftreten können und worauf Sie unbedingt achten sollten.

DIE HÄUFIGSTEN ZECKENARTEN UND IHRE VERBREITUNG

Zecken findet man auf der ganzen Welt. Man unterscheidet ca. 900 Arten, die jeweils bestimmte Wirte bevorzugen. Die Verbreitung einer bestimmten Zeckenart ist dabei maßgeblich von der Verbreitung ihrer potentiellen Wirte abhängig, aber auch von Umweltfaktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Die gefährlichsten Zeckenarten für Hund und Katze sind:

Ixodes ricinus Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die bekannteste Schildzecke in Mitteleuropa. Er befällt mehr als 50 verschiedene Wirte, z.B. auch den Menschen und seine Hausgenossen Hund und Katze. Der Holzbock ist im deutschsprachigen Raum endemisch und die häufigste Zeckenart. Sie ist Überträger der Lyme-Borreliose und beim Menschen auch der FSME (Hirnhautentzündung). Die FSME beim Hund ist sehr selten und betrifft nur Hunde mit einem geschwächten Immunsystem.

Dermacentor reticulatus Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist ein Vertreter der Gattung der Buntzecken, da das Schildchen der Zecke marmoriert ist. Sie befällt nur selten den Menschen, während Hunde als Wirte willkommen sind. Die Auwaldzecke ist im deutschsprachigen Raum endemisch und Überträger der Babesiose.

rhipicephalus sanguineus Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) tritt vor allem in den wärmeren Regionen auf (Mittelmeerraum). Sie kommt im deutschsprachigen Raum als Freilandzecke nicht vor, da sie sich nur bei bestimmten Außentemperaturen vermehren kann. Wie der Name bereits vermuten lässt, befällt sie vorwiegend Hunde, und zwar in jedem ihrer Entwicklungsstadien. Die Braune Hundezecke ist im Mittelmeerraum endemisch und Überträger der Babesiose und Ehrlichiose.

Bei Katzen kommen Borreliose und Babesiose eher selten vor. Die Zeckenparalyse wurde bisher nur in Nord- und Südamerika, sowie in Afrika und Australien beobachtet, nicht aber in Europa. Mehrere Zeckenarten kommen als Überträger infrage. Sie geben während des Blutsaugens ein Gift ab, das zu fortschreitenden Lähmungen (Paralyse) führen kann.

Zecken halten sich vorwiegend im Freien auf. Sie bevorzugen Sträucher und Gräser, wo sie ihren Wirten auflauern. Auch heimische Gärten und öffentliche Parkanlagen gehören zunehmend zu Ihren Jagdgebieten.

Holzbock und Auwaldzecke sind überall im deutschsprachigen Raum verbreitet. Die Braune Hundezecke kommt im deutschsprachigen Raum als Freilandzecke nicht vor. Sie kann sich in den kälteren Klimazonen nicht vermehren. Sie kann aber mal auf Hunden an Bord aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt werden und sich in gut geheizten Gebäuden vermehren.

WIE FINDEN ZECKEN IHRE WIRTSTIERE?

Während sie auf Beute wartet, streckt die Zecke ihre Vorderbeine aus, an denen sich die Hallerschen Organe befinden. Damit orten die Parasiten z.B. Ammoniak, Milchsäure und vor allem Buttersäure, alles Substanzen, die im Schweiß ihrer Beute enthalten sind. Auch das Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft können Zecken mit dem Hallerschen Organ identifizieren. Zahlreiche Tasthaare, die sich ebenfalls an den Vorderbeinen befinden, reagieren auf Körperwärme und die Bewegungen von potentiellen Opfern. Appetitanregend wirken sich auch bestimmte Lichtreize und Vibrationen im näheren Umfeld der Zecke aus. Lassen sich die Signale zu einem schlüssigen Bild zusammenfügen, das dem Beuteschema der Zecke entspricht, klammert sie sich mit Ihren Vorderbeinen an den vorbeistreifenden Wirt.

Zecken bleiben je nach Art zwischen 3 und 12 Tagen an ihrem Wirt. Dafür suchen sie sich eine geeignete Stelle, die Wärme und Schutz bietet. So überstehen sie unbeschadet auch das eine oder andere Kratzen und Scheuern. Beliebte Stellen bei Hunden und Katzen sind die Schenkel- und Ellenbogen-Falte sowie der Unterbauch. Hunde und Katzen werden meist von voll entwickelten Zecken befallen, seltener aber auch von vorausgehenden Stadien wie Nymphen und Larven, also von Stadien, die leicht zu übersehen sind. Sie bevorzugen Bereiche, an denen die Haut deutlich dünner ist, wie Ohrränder, Ohrmuscheln, Augenlider, Schnauze und die Haut zwischen den Zehen.

ENTWICKLUNGSSTADIEN

Eine Zecke benötigt für ihre Entwicklung verschiedene Wirtstiere. Nachdem sie eine Mahlzeit beendet hat, löst die Zecke sich von ihrem Wirt und fällt zu Boden um sich zu häuten. Danach befällt sie das nächste Tier. Die letzte Blutmahlzeit nimmt ein Weibchen vor der Eiablage zu sich. Zecken können Tausende von Eiern produzieren. Einige Gattungen der Schildzecken bringen es auf 20.000 Exemplare. Das Weibchen stirbt, sobald es seine Eier abgelegt hat. Nach dem Schlüpfen durchlaufen Zecken drei Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe und die so genannte adulte Phase des vollentwickelten Exemplars. In den ersten beiden Stadien sind Zecken geschlechtslos. Die sexuellen Merkmale bilden sich erst in der letzten Phase.

WARUM SPÜRT MAN EINEN ZECKENSTICH NICHT?

Der Zeckenkörper besteht aus zwei Abschnitten, die gegeneinander beweglich sind. Der vordere Abschnitt wird landläufig als Zeckenkopf bezeichnet, der hintere als Zeckenkörper.

Ein kennzeichnendes Merkmal der Zecken sind die Mundwerkzeuge mit den scherenartigen Cheliceren und dem Stechrüssel (Hypostom) im Zentrum. Dieses Organ ist häufig mit Zähnen ausgestattet, die als Widerhaken fungieren. Zunächst schneidet die Zecke mit ihren Cheliceren die Haut an, um dann das mit Zähnen ausgestattete Hypostom tief in die Wunde zu versenken. Die Zähne fungieren dabei wie Widerhaken. Einige Zeckenarten mit kurzen Mundwerkzeugen geben zusätzlich noch "Zement", eine Kittsubstanz ab, um sich besser fixieren zu können. Der Zeckenspeichel ist ein potenter Pharmacocktail: Gerinnungshemmer halten das Blut im Zuge der Nahrungsaufnahme flüssig. Gleichzeitig werden schmerzhemmende Substanzen „gespritzt“, um eine akute Abwehrreaktion des Wirts zu vermeiden, der gar nicht merkt, dass er gestochen wird. Darüber hinaus sorgen antientzündliche Substanzen dafür, dass der Stich nicht zu einer ernsten Verletzung führt. Derart verarztet, bleibt der Wirt möglichst lange als Nahrungsquelle erhalten. Was sie bei einem Zeckenstich tun und was Sie lassen sollten, erfahren Sie im Artikel „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.

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