Zecken – zähe Überlebenskünstler

Zecken – zähe Überlebenskünstler

Der Begriff Parasitismus kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Nebenesser“ (para = „neben“, siteisthai =„essen“). Landläufig nennt man die ungebetenen Gäste auch Schmarotzer – keine schmeichelhafte Bezeichnung. Bei genauerer Betrachtung ringen uns die kleinen Ungeziefer aber durchaus Respekt ab. Einige Parasiten haben erstaunliche Fähigkeiten entwickelt und Zecken gibt es auf dieser Erde schon länger als Menschen. Ihre physische Beschaffenheit hat sich in 350 Millionen Jahren biologischer Evolution erfolgreich bewährt, ohne sich wesentlich zu verändern.

EIN PARASIT PROGRAMMIERT SEINE WIRTE AUF SELBSTVERNICHTUNG

Es gibt Parasiten, die sogar in die Hirnchemie ihrer Wirte eingreifen und deren Verhaltensweise verändern. Beispielsweise manipuliert der Einzeller Toxoplasma gondii Mäuse so, dass sie eine leichte Beute für Katzen werden. Die Parasiten steuern das Verhalten der Nagetiere nicht gezielt. Doch ihr Einfluss auf die Hirnchemie hat sich im Verlauf der Evolution so entwickelt, dass infizierte Mäuse den Geruch von Katzen besonders interessant finden. Anstatt das Weite zu suchen, laufen sie ihren Fressfeinden förmlich vor die Pfoten. Das verbessert die Chancen des Parasiten, da hinzukommen, wo er hin will: in die Katze.

DIE UNGLAUBLICHEN FÄHIGKEITEN VON ZECKEN

So abgebrüht sind Zecken allerdings nicht: Kein Hund wird vor ein herannahendes Auto springen und keine Katze im Wasser den Freitod suchen, weil sie von einer Zecke gestochen wurden. Aber Zecken sind nicht ungefährlich. Sie übertragen lebensbedrohliche Krankheiten. Ein nachhaltiger Schutz vor den kleinen Schmarotzern ist daher unerlässlich. Eine Zecke sicher abzutöten ist nicht einfach. Zecken sind derart zäh, dass sie zahlreiche Attacken überstehen, als seien sie untote Wiedergänger.

Welche Methode ist also geeignet, um Zecken sicher abzutöten? Und was können diese Parasiten aushalten? Forscher testeten* Verschiedenes: Zerquetschen oder Zerdrücken, Hitzeeinwirkung, Ertränken, Kälte sowie den Einsatz diverser Flüssigkeiten.

Der Aufenthalt in der Waschmaschine oder im Trockner ist erst bei Temperaturen ab 60°C tödlich. Wasser hat kaum einen Effekt: Eine erwachsene Zecke kann bis zu 3 Wochen unbeschadet „abtauchen“, Larven können sich unter Wasser sogar häuten und zu Nymphen werden. Erwachsene Zecken überstehen auch den Besuch einer trockenen und warmen Wohnung ganz gut; sie können dort bis zu 10 Tage überleben, obwohl die Luftfeuchtigkeit den bevorzugten klimatischen Bedingungen keineswegs entspricht. Um wirklich sicherzugehen, dass man Zecken nicht lebend wieder aus dem Gefrierfach holt, muss man sie mindestens 24 Stunden bei Temperaturen unter minus 10°C einfrieren. 40-prozentiger Alkohol und hochkonzentrierter Chlorreiniger eignen sich ebenfalls, um die Parasiten zu töten.

Am einfachsten und effektivsten ist das Zerdrücken mit einem festen Gegenstand. Diese Methode ist sowohl für erwachsene Zecken als auch für Nymphen geeignet. Man sollte dabei allerdings darauf achten, nicht mit den infektiösen Körperflüssigkeiten in Berührung zu kommen und das Tier deshalb in ein Papier einwickeln, bevor man es zerdrückt.

DER ZECKE AN DEN KRAGEN – NATÜRLICHE FRESSFEINDE

Doch es besteht auch Hoffnung auf eine effizientere und nachhaltigere Eliminierung ganzer Populationen – Zecken haben natürliche Feinde. Einige Vogelarten fressen Zecken, und in Südafrika wurden kleine Sumpfschildkröten dabei beobachtet, wie sie Nashörner von den Plagegeistern befreiten.

Aber das Beste kommt noch: Drei sehr verschiedene Parasitenarten sind in unseren Breiten heimisch, die den Zecken das Ende bereiten können, das sie verdienen. Die kleine Erzwespe Ixodiphagus hookeri legt ihre Eier ausschließlich in Zecken. Die schlüpfenden Larven fressen ihre Wirte dann von innen auf. Außerdem können Fadenwürmer (Steinernema carpocapsae) Zecken befallen und tödliche Bakterien in deren Organismus freisetzen. Und es gibt Pilze (Metarhizium anisopliae), die vor allem in die Nymphen dringen, sich dort ausbreiten und zu deren Tod führen.

Der durchaus tödlich endende Parasitenbefall scheint tatsächlich gemein genug, um den unheimlichen Grusel und den irrationalen Juckreiz zu rächen, den die blutsaugenden Zecken uns Säugetieren bereiten.

* http://www.zecken.de/de/wissenschaft-und-forschung/zaehe-zecken

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