Flöhe – anpassungsfähige Miniatur-Vampire

Flöhe – anpassungsfähige Miniatur-Vampire

Flöhe gehören zur Gruppe der holometabolen Insekten, die in ihrer Entwicklung eine vollständige Metamorphose von einer Larve über eine Puppe zum ausgewachsenen Insekt durchmachen. Dass heißt, der adulte Floh hat keinerlei Ähnlichkeit mehr mit einer Flohlarve. Die Holometabola werden auch Endopterygota genannt. Das bedeutet so viel wie Innenflügelige und nimmt Bezug auf die Entwicklung der Flügelanlagen innerhalb des Insektenkörpers.

Flöhe haben allerdings keine Flügel. Wer des Altgriechischen mächtig ist, erkennt das schon an der wissenschaftlichen Bezeichnung für Flöhe: Siphonaptera. Die Bezeichnung setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Siphon steht für Saugrohr und apteros für flügellos. Ein Floh ist also ein flügelloses Rüsseltier.

Wie Zecken leben Flöhe parasitär und ernähren sich vom Blut ihrer Wirtstiere. Die meisten Floharten bevorzugen Säugetiere als Nahrungsquelle (95 Prozent), nur etwa fünf Prozent sind auf Vögel spezialisiert.

FLÖHE SIND NICHT WÄHLERISCH

Im Laufe der Geschichte entwickelten Flöhe eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit. Sie haben zwar eine Vorliebe für bestimmte Wirtstiere, passen sich aber sehr schnell an und wechseln einfach den Wirt, falls neue Umweltbedingungen es fordern. Deshalb steht beim Katzenfloh schon mal Hunde- oder Menschenblut auf dem Speiseplan, falls keine Katze in Sicht und der Hunger groß ist.

Apropos groß, Flöhe waren nicht immer so klein wie heute. Vor einigen Jahren wurden bei Ausgrabungen sehr gut erhaltene Flohfossilien gefunden, die zwischen 165 und 125 Millionen Jahre alt sind. Wie groß diese Urflöhe waren, können Sie im Artikel „Flöhe im Jurassic Park“ nachlesen.

Von den etwa 2.400 bekannten Floharten kommen ca. 70 in Mitteleuropa vor. Abhängig von der Wahl ihres Habitats werden sie in Nest- und Pelzflöhe eingeteilt. Erstere halten sich am liebsten am dunklen und trockenen Schlafplatz ihres Wirtes auf. Sie sind lichtscheu und sesshaft. Nachts kommen sie aus ihrem Versteck hervor, befallen den Wirt und ziehen sich gleich nach der Mahlzeit wieder zurück. Pelzflöhe sind reiselustiger. Sie nutzen ihren Wirt als Vehikel und wandern mit ihm durchs Leben. Offenbar sind sie weder lichtempfindlich noch leiden sie unter Reiseübelkeit.

Flöhe sind in Mitteleuropa das ganze Jahr über aktiv. Ähnlich wie wir Menschen haben Flöhe im Frühjahr und Sommer im Freien Hochsaison. In Herbst und Winter fühlen sie sich besonders in beheizten Wohnräumen wohl.

Durch ihre geringe Größe lassen sich die kleinen Parasiten mit dem bloßen Auge nicht voneinander unterscheiden. Erst unter einem Mikroskop ist eine Artenbestimmung möglich.

WICHTIGE FLOHARTEN IN UNSEREN BREITENGRADEN

Obwohl sein liebstes Wirtstier eher klein ist, ist der Maulwurfsfloh der größte europäische Floh. Er parasitiert auf dem Maulwurf, dem Igel und zahlreichen Nagetieren.

Auf dem Körper von Hund und Katze finden sich vor allem Hunde- und Katzenflöhe. Dabei leben auf dem Tier nur erwachsene Flöhe. Die Eier, Larven und Puppen von Flöhen befinden sich in dessen Umwelt, vor allem an Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätzen, in Teppichen oder im Auto. Deshalb muss für eine effektive Flohbekämpfung auch immer die Umgebung des Haustieres einbezogen werden. Hier finden Sie viele hilfreiche Informationen zur Flohumgebungsbehandlung.

DER FLOH-ENTWICKLUNGSZYKLUS

Ein Floh macht bei seiner Entwicklung eine vollständige Metamorphose durch, vom Ei über eine Larve, drei Larvenstadien, eine Puppe zum ausgewachsenen Insekt. Unter den üblichen häuslichen Bedingungen dauert diese Entwicklung bis zu 5 Wochen, kann sich jedoch, abhängig von Ernährung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit um bis zu 140 Tage verzögern.

1. Die Eiablage erfolgt 24 bis 36 Stunden nach einer Blutmahlzeit. Ein weiblicher Floh legt bis zu 50 Eier am Tag. Die frisch gelegten Eier sind noch feucht und haften am Wirt. Nach etwa zwei Stunden sind sie ausgetrocknet, fallen aus dem Fell und verteilen sich in der Umgebung. Acht Stunden nach der Eiablage sind schon etwa siebzig Prozent der Eier aus dem Fell gefallen.

2. Aus den Eiern schlüpfen nach wenigen Tagen weiße, schmale, beborstete Larven, die sich von organischem Material (z. B. Hautschuppen) und besonders von Flohkot ernähren. Für ihre Weiterentwicklung brauchen Flohlarven eine hohe Luftfeuchtigkeit und gemäßigte Temperaturen. Schutz vor direktem Sonnenlicht finden die lichtscheuen Larven im Gras oder unter Blättern. Im Haus sind Bodenritzen, Polster oder Teppiche ihr liebstes Versteck. Eine Larve muss sich dreimal häuten, denn sie wächst von etwa drei auf vier bis fünf Millimeter Länge an.

3. Die dritte Larve spinnt einen losen Kokon, in dem sie dann die Puppenruhe durchmacht. Der seidenartige Kokon, den sie mit Hilfe ihrer Speicheldrüsen baut, ist etwa 0,5 x 0,2 Millimeter groß. Material aus der Umgebung, welches an den Kokon geheftet wird, dient als Tarnung. Wird die Flohlarve bei der Verpuppung gestört, bildet sie keinen echten Kokon aus. Trotzdem ist die Weiterentwicklung in diesem nackten und unverhüllten Puppenstadium möglich.

4. Bei optimalen Bedingungen schlüpft nach 5 bis 9 Tagen der erwachsene Floh. Passen die Umgebungsverhältnisse nicht, kann sich die Puppenruhe bis auf hundertvierzig Tage verlängern. Optimal sind die Bedingungen bei Temperaturen von 20 bis 23 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 90 %. Der Schlupf wird durch mechanische und chemische Reize wie Vibration, Temperatur und erhöhten Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft stimuliert. Anschließend saugt der geschlüpfte Floh sofort Blut und ist schon nach einem Tag geschlechtsreif. Nach einem weiteren Tag beginnt bereits die Eiablage und der Zyklus beginnt von vorne. Die Lebensdauer eines adulten Flohs auf dem Wirt liegt bei ca. 3 bis 4 Wochen, bei maximal 160 Tagen, wenn er nicht bei der Fellpflege entfernt wird.

WICHTIG: Um eine unkontrollierte Ausbreitung von Flöhen zu vermeiden, muss der Zyklus vor der Eiablage unterbrochen werden. Eier, Larven und Puppen müssen beseitigt werden. Dazu ist es notwendig, auch die Umgebung des Haustieres bei der Flohbekämpfung einzubeziehen. Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel „Ein Floh kommt selten allein“.

DER FLOH-ENTWICKLUNGSZYKLUS

Flöhe erreichen eine Länge von 1,5 bis 4,5 Millimetern. Sie besitzen zur Fortbewegung kräftige Hinterbeine, die ihnen ungerichtete Sprünge von bis zu einem Meter erlauben – das entspricht dem 200-Fachen ihrer Körpergröße.

Die Bewegung ihrer Beine beim Springen gilt als eine der schnellsten Aktionen im Tierreich. Dabei wird die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskeln durch die Spannkraft des Resilinpolsters ergänzt, das an den Flohbeinen sitzt. Resilin ist ein elastisches Protein, das wie ein Bogen gespannt werden kann: Rekordverdächtig schnell schießt der Floh sich selbst in Richtung eines unsicheren Ziels. Denn ein kleines Manko hat die außerordentliche Sprungkraft: Wo der Floh nach seinem Sprung landet, kann er nicht so genau bestimmen.

Physiognomisch ist der Floh für ein Leben im Fell optimal ausgestattet: Der seitlich abgeplattete, sehr harte Chitinpanzer begünstigt die Fortbewegung zwischen den Haaren des Wirtstiers. Körper und Beine sind mit Borsten und Zahnkämmen gewappnet, die es dem Wirt erschweren, den lästigen Gast abzuschütteln. Selbst Kamm oder Bürste helfen oft nicht, sich der kleinen Plagegeister zu entledigen.

Die Mundwerkzeuge des Flohs sind zu einem kombinierten Stech- und Saugrüssel ausgebildet und sitzen so am Körper, dass der Floh beim Saugen einen Kopfstand ausführt – er ist also nicht nur ein guter Springer, sondern auch ein Akrobat.

Bleibt der Floh ungestört, dauert die Blutaufnahme 10 bis 25 Minuten. Nach einer üppigen Mahlzeit kann der gefräßige Parasit längere Zeit fasten.

EIN FLOHSTICH – WEN JUCKT DAS SCHON

Ein Flohstich verursacht eine kleine Wunde mit einem mehr oder minder intensiven und großflächigen Juckreiz. Charakteristisch ist, dass die Stiche fast immer in einer Reihe liegen, weil Flöhe schnell irritiert sind bzw. Probestiche setzen.

Durch Flohstiche können Bakterien übertragen werden. Als weitere Folge kann es bei Hund und Katze zu einer Flohspeichelallergie (FAD) kommen. Entscheidend für die Entwicklung einer allergischen Reaktion ist die Menge an Flohspeichel, die übertragen wird. Ein einziger Flohstich kann keine Allergie auslösen, aber ein Floh sticht nicht nur einmal, und auf einem Tier lebt nicht nur ein Floh. Deshalb ist es wichtig, Haustiere dauerhaft vor Flöhen zu schützen.

Viele Informationen zu Schutzmaßnahmen finden Sie in den entsprechenden Artikeln auf dieser Seite:

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